Ohne eine vernünftige Handelsstrategie sollte niemals in den Handel mit Binären Optionen eingestiegen werden. So würde der Binäroptionshandel nämlich zum Glücksspiel und der Totalverlust wäre praktisch vorprogrammiert. Es gibt allerdings keine perfekte Handelsstrategie, die immer funktioniert. Zudem ist auch nicht jede Strategie für jeden Trader geeignet. Um die geeignete Strategie zu finden, bedarf es viel Zeit und Handelserfahrung. Verluste gehören hier ebenso dazu wie Gewinne. Darauf muss sich ein Trader mental einstellen.

Bevor überhaupt irgendeine Handelsstrategie angewandt wird, muss sich ein Trader zunächst mit den Grundlagen des Binäroptionshandels vertraut machen und wissen, wie die Börse funktioniert. Ohne das nötige Hintergrundwissen, werden Trader weder eine Strategie verstehen noch umsetzen können. Somit muss zunächst viel Zeit in das Aneignen von Wissen investiert werden. Wenn es dann an das Umsetzen einer Handelsstrategie geht, sollten unerfahrene Trader zunächst nur mit einem Demokonto üben.

So können sie relativ schnell feststellen, ob sie eine Strategie tatsächlich verstanden haben, ohne dafür echtes Geld zu investieren und schlimmstenfalls zu verlieren. Außerdem ist es ratsam, einen Handelsplan aufzustellen und ein Tradingtagebuch zu führen. Der hieraus entstehende Lerneffekt ist Gold wert und wird dem Trader zu einem schnelleren Erfolg verhelfen.

Im Laufe der Jahre haben sich einige Handelsstrategien als erfolgsversprechend gezeigt und sich demnach etabliert. Hierzu gehören vor allem die folgenden Strategien:

Trendfolgestrategie

Diese Handelsstrategie ist besonders gut für Anfänger geeignet und funktioniert nach dem einfachen Prinzip, dass stets einem Trend gefolgt werden sollte. Das Handeln gegen einen vorherrschenden Trend ist nicht zu empfehlen. Wenn ein Trend erkannt wird, kann in den Markt eingestiegen werden. Um einen Trend erkennen zu können, wird die Technische Analyse zur Hilfe genommen.

Volatilitätsstrategie

Bei dieser Handelsstrategie wird nicht nach einem Trend gehandelt, sondern nach starken Kursschwankungen eines Basiswertes gesucht und ausgenutzt. In welche Richtung sich hier der Kurs bewegt, ist unerheblich. Wichtig ist nur, dass es zu einer starken Kursbewegung kommt. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Meldungen zu Aktiengesellschaften veröffentlicht werden. Für unerfahrene Trader ist diese Strategie eher nicht geeignet.

Kontra-Trend-Strategie

Hier wird gegen einen Trend gehandelt. Beispielsweise kann es in Aufwärtsbewegungen passieren, dass der Kurs eines Basiswertes unerwartet fällt, sodass eine Trendlinie durchbrochen wird. Zudem können diverse Signale darauf hinweisen, dass es zu einer Trendumkehr kommen wird. Oftmals wird die Kontra-Trend-Strategie bei den kurzfristigen Optionen mit sehr kurzer Laufzeit eingesetzt, wobei sie nur dann erfolgreich ist, wenn der Kurs eines Basiswertes unter einem Widerstand notiert. Auch diese Handelsstrategie ist nur etwas für fortgeschrittene und professionelle Trader.

Absicherungsstrategie

Diese Handelsstrategie wird in der Regel nur von professionellen Tradern genutzt, die auch im CFD- oder Forex-Handel aktiv sind und hiermit Positionen absichern. Im binäre Optionen Handel findet diese Strategie kaum Anwendung.

Handelsstrategie für One-Touch-Optionen

Die One-Touch-Option ist eine anspruchsvolle Handelsvariante. Das hohe Risiko, das mit dieser Handelsart einhergeht wird von vielen Brokern mit einer hohen Rendite belohnt. Das Funktionsprinzip ist einfach zu verstehen: Der Broker setzt einen Zielkurs fest, der über oder auch unter dem aktuellen Kurs eines ausgewählten Basiswertes liegen kann. Nun muss der Trader entscheiden, ob der aktuelle Kurs diesen Zielkurs berühren wird. Eine Kursrichtung muss nicht vorhergesagt werden. Sobald der Kurs den vorgegebenen Zielkurs berührt, hat der Trader einen Gewinn erzielt. Läuft die Position aus, ohne dass der Zielkurs berührt wird, hat der Trader seinen Einsatz verloren.

Erfahrene und professionelle Trader wenden hier die Volatilitätsstrategie an, und zwar dann, wenn ein wichtiges Ereignis in der Politik oder in der Wirtschaft ansteht, damit es zu einem starken Kursausschlag kommt. Angenommen, die Europäische Zentralbank (EZB) hält in der kommenden Handelswoche eine Sitzung ab, sodass der Kurs des Währungspaares EUR/USD vermutlich stark ins Schwanken kommt. Für den Tag der Veröffentlichung werden dann bei zwei verschiedenen Brokern jeweils eine One-Touch-Option mit der gleichen Laufzeit und dem gleichen Einsatz platziert. Wichtig ist zudem, dass beide Broker die One-Touch-Optionen im High-Yield-Modus anbieten und eine Rendite in der gleichen Höhe ausschütten.

Nehmen wir folgendes Beispiel: Der Trader eröffnet zwei One-Touch-Positionen, einmal auf steigende und einmal auf fallende Kurse, mit jeweils 25 Euro auf das Währungspaar EUR/USD bei zwei verschiedenen Brokern, die beide eine Rendite in Höhe von 500 Prozent ausschütten. Insgesamt hat er also 50 Euro investiert. Die Meldung der EZB wird veröffentlicht und es kommt zu einer starken Kursbewegung. Der Kurs bricht nach oben hin aus, sodass eine Position verliert und die andere Position erzielt einen Gewinn. Bei der verlorenen Position ist der Einsatz von 25 Euro natürlich verloren. Die gewonnene Position erzielt jedoch einen Gewinn von 250 Euro. Zieht man nun den Gesamteinsatz von 50 Euro ab, verbleibt ein Gewinn von 200 Euro.

Die Vorgehensweise ist zwar einfach, jedoch kann diese Strategie nur funktionieren, wenn die folgenden Punkte beachtet werden:

  • Es muss jeweils eine One-Touch-Option bei einem Broker eröffnet werden, der eine gleich hohe High-Yield-Rendite ausschüttet.
  • Die Optionen müssen die gleiche Laufzeit und den gleichen Einsatz haben. Bei einem Broker wird auf steigende und beim anderen auf fallende Kurse gesetzt.
  • Die Trades dürfen nicht willkürlich erfolgen. Voraussetzung ist, dass es zu einer starken Kursschwankung kommt. Es ist unbedingt notwendig, dass sich Trader vorab mit dem Wirtschaftskalender befassen und prüfen, ob wichtige Ereignisse bzw. Veröffentlichungen anstehen, die den Kurs eines Basiswertes stark ins Schwanken bringen können.

An dieser Stelle muss auch noch mal betont werden, dass diese Strategie sehr risikoreich ist. Es kann nämlich auch passieren, dass beide Positionen nicht im Gewinn enden und der Gesamteinsatz verloren ist. Empfehlenswert ist es, dass diese Strategie zunächst ein paar Mal auf den Demokonten der Broker ausgetestet wird.

5-Minuten-Handelsstrategie

Eine weitere beliebte Handelsstrategie ist die 5-Minuten-Strategie, die eine gute Erfolgsquote aufweist. Hierfür wird eine Chartsoftware benötigt, die den Derivative Oscillator abbilden kann. Besonders gut eignet sich diese Strategie für stark schwankende Basiswerte wie Währungen oder Basiswerte mit einem hohen Umsatzvolumen, wie zum Beispiel die Apple-Aktie oder die Microsoft-Aktie.

Mithilfe des Derivative Oscillator können Trends erkannt werden. Hierfür nutzt der Indikator das Momentum. Wichtig ist, dass das Zeitfenster im Chart auf 5 Minuten eingestellt wird. Wenn dann der Indikator ausgewählt wurde, heißt es erst mal, den Kursverlauf zu beobachten. Es wird erst gehandelt, wenn sich der Derivative Oscillator wie folgt verhält:

Wenn der Derivative Oscillator von positiv zu negativ oder von negativ zu positiv wechselt, muss der nächste Balken ganz genau betrachtet werden. Sollte der zweite Balken den ersten bestätigen, kann ein Trade in diese Richtung eröffnet werden. Die Laufzeit muss mit 5 Minuten ausgewählt werden.

Handelsstrategie für Korrelationen

Aus der Wechselwirkung (Korrelation) von Basiswerten können Handelssignale gezogen werden, um die Kursentwicklung vorauszusagen. Unterschieden wird hier zwischen positiven und negativen Korrelationen.

Wenn beispielsweise der DAX steigt, kann sich dies positiv auf das Verhältnis zwischen Euro und US-Dollar auswirken, was einer positiven Korrelation entspricht. Ein weiteres Beispiel hierfür ist, wenn der Ölpreis fällt und damit den Australischen Dollar im Verhältnis zum Euro schwächt.

Eine negative Korrelation entsteht, wenn sich die Entwicklung eines Basiswertes negativ auf einen anderen Basiswert auswirkt. Wenn zum Beispiel der Ölpreis steigt und damit den Japanischen Yen schwächt, wird von einer negativen Korrelation gesprochen.

Unter der Beachtung der Korrelationen können starke Handelssignale entstehen, wenn sich ein Trend in einem Basiswert abzeichnet. Dabei beruht diese Wechselwirkung auf ökonomischen, politischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen, mit denen sich ein Trader auskennen muss.

In der Regel besteht vor allem zwischen Währungen und Rohstoffen eine starke Wechselwirkung. Das Gleiche gilt für Währungen, Rohstoffe und Indizes. Beispielsweise stehen Inflation und Arbeitslosenquote in enger Korrelation. So bedeutet eine hohe Arbeitslosenquote stets, dass die Inflationsquote gering ausfällt.

Eine weitere starke Korrelation besteht auch zwischen dem Rohstoff Gold, dem DAX und dem Dow Jones. Wenn die Märkte durch den Dow Jones und den DAX abfallen, investieren viele Anleger in Gold, sodass hier ein gutes Handelssignal generiert werden kann.

Darüber hinaus besteht auch zwischen dem Rohstoff Öl sowie den Währungen USD, CAD und YEN eine starke Wechselwirkung. Wenn die japanische Wirtschaft vom Preis des Öls abhängig ist, korrelieren diese Basiswerte sehr stark, denn der Ölpreis steigt mit dem Australischen Dollar. Außerdem bewegt sich der US-Dollar abhängig vom Australischen Dollar, denn mehr als 80 Prozent aller Ölexporte Kanadas werden in die USA geliefert. Und dann muss noch beachtet werden, dass die USA aufgrund der Fracking-Technologie unabhängiger ist, sodass auf das Währungspaar CAD/YEN gesetzt werden könnte, wenn der Ölpreis steigt.

Die wohl bedeutendste Rolle spielt aber der Rohstoff Gold, denn der Preis schwankt mit der Inflation. Je höher die Inflation ausfällt, desto stärker ist auch die Gold-Nachfrage. Außerdem wirkt sich ein hoher Goldpreis auch auf den Australischen Dollar aus, denn Australien ist einer der größten Goldproduzenten. Zusätzlich exportiert Australien auch Öl, sodass das Währungspaar AUD/USD interessant sein könnte, wenn die Preise für Gold und Öl steigen. Ferner kann sich ein steigender Goldpreis natürlich auch auf Aktien auswirken, denn wenn eine gute Rendite erwartet wird, kaufen die Anleger weniger Gold, sodass es zu einer negativen Korrelation kommen wird.

Sehr interessant ist auch die Wechselwirkung zwischen diversen Indizes und dem Rohstoff Kupfer. Steigt der Preis für Kupfer, kann dies ein Hinweis auf eine anziehende Konjunktur sein. Die Kurse von wichtigen Indizes würden dann mit hoher Wahrscheinlichkeit steigen.

Es gibt hier also sehr interessante Ansätze, die mit in eine Handelsstrategie eingebaut werden können. Jedoch bedarf es hierfür auch das entsprechende Wissen und die nötige Erfahrung, um Korrelationen erfolgreich zu handeln.

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